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Upcycling und die Gesellschaft

Upcycling und Gesellschaft

Leider ist die Webseite Warumned.at vom Netz gegangen. Da Zeit, Begeisterung und Energie in den Gastartikel “Upcycling und die Gesellschaft” geflossen sind, findet er hier eine zweite Heimat . Anja schrieb damals diese schöne Einleitung:

Hallo meine lieben Leser,
Ich habe hier einen sehr, sehr tollen Artikel von Thorsten von Wollbettdecke.de.
Der Artikel wurde extra für meinen Blog und vor allem für euch geschrieben, also viel Spaß beim Lesen vom ersten Gastbeitrag.

Warum sind Upcycling und Second Hand gut und was müsste sich gesellschaftlich verändern?

Müsste sich was verändern? Gefühlt sind die Themen Upcycling und Second Hand noch fest in der Hand kleiner nachhaltigallischer Dörfer von immer mehr werdenden Vorreitern einer wahrscheinlich sehr wichtigen Bewegung der Gesellschaft. Wenn ich im Internet unterwegs bin, dann sehe ich das Thema häufiger, aber in der realen Welt, da fühlt es sich noch nicht wirklich als gesellschaftlich akzeptiert an. Wie siehst Du das? Wer in Deiner Umgebung lebt und handelt wirklich danach?

Upcycling und die Gesellschaft

(C) Vedran Skansi, CCO 1.0 Public Domain.

Der gefühlte IST-Zustand

Anjas Artikel über 3 Second-Hand-Vorurteile bestätigt auch meine Erfahrungen. Vorurteile oder tief verwurzelte Meinungen und Werte verhindern häufig einen sinnvollen Dialog.

Konsum und Ansehen. Schon bei den Kleinen ein Problem?

Kindermund tut Wahrheit kund. Was man so beiläufig sagt, das hilft einem auch, ein unverblümtes Bild zu sehen. Wenn ein kleiner Stöpsel plötzlich vor einem steht und mit seinem ferngesteuerten Auto prahlt, das beinahe größer als er selbst ist, dann fragt man sich schon, ob das Freude ist oder das erste Pflänzchen von Angeberei? Dann sieht man sich um und erkennt, dass ein „Guck mal, was ich da habe!“ relativ normal zu sein scheint.

Also ist dem recht wenig Negatives abzugewinnen, aber wenn man dann hört, dass Kinder angeblich von einer Gruppe ausgeschlossen wurden, weil sie irgendetwas nicht besitzen, dann kommen die ersten Zweifel. Besonders, wenn dann zusätzlich Eltern mit Kindern in der Schule berichten, dass das schlimmer werde. Die Lösung für das Problem sei dann der Kauf dessen was alle kaufen, damit es dem Kind nicht schlecht ergehen solle – um Himmels Willen: Sie oder er könnten „Außenseiter“ werden! Gott bewahre!

Aber nicht nur die Kinder machen sich Konsumstress, sondern auch die Eltern. Als ich noch klein war, da haben meine Eltern keine Kinder „dafür bezahlen müssen“, damit sie auf meinen Geburtstag kommen. Da war ich das Geburtstagskind und nur ich bekam Geschenke. Und wenn ein anderer Geburtstag hat, dann bekommt der Geschenke und nur der wird gefeiert. So wie das an einem Geburtstag halt normal ist! Sorry, normal war.

Eltern wissen jetzt schon, was ich meine. Ja genau, diese Wegwerf-Goody-Packs, die man jedem Gast zum Abschluss geben soll! Ich ziehe meinen Hut vor dem Marketingfachmann, der sich das ausgedacht hat: Du hast es geschafft! Ein wenig hasse ich Dich dafür, aber es ist auch faszinierend, wie der unterschwellige soziale Druck dieses Wegwerfsystem am Leben erhält. Man redet mit anderen Eltern über die Sinnlosigkeit dieses Konsumfluchs und bekommt Recht – und natürlich beim nächsten Geburtstag ein Wegwerf-Goody-Pack in die Hand gedrückt. So wie das jeder macht, das Kind darf ja kein „Außenseiter“ werden!

Second Hand und Upcycling – juckt das oder sinkt dadurch mein Ansehen?

Geht es wirklich so sehr um Ansehen? Wäre schon traurig! Wie viele Leute in deiner Umgebung haben schon stolz gesagt, dass sie ein schickes Schnäppchen vom Second-Hand-Laden ergattern konnten? Oder was sie Tolles aus ausgedienten Holzpaletten gezaubert haben?

Wenn Du die Frage mit einer Zahl größer Null beantworten konntest, dann war der von dir Gemeinte entweder „Außenseiter“ oder mit dir zusammen „Einwohner“ eines der eingangs erwähnten nachhaltigallischen Dörfer. Verstehe mich nicht falsch: Ich freue mich über jeden, der nachhaltig denkt und handelt, aber bisher sehe ich das Umdenken nur stellenweise kommen. Am liebsten wäre es mir, wenn Du mir zeigst, wo sich die Gleichgesinnten überall verstecken. Beim Spaziergang auf vermüllten Waldwegen oder auf mit Zigarettenstummeln gepflasterten Kinderspielplatzsitzbänken sehe ich sie vor lauter Wegwerf-Goody-Packs nicht.

Es ist nachvollziehbar, dass es unterschiedliche Hygiene- und Qualitätsstandards gibt, die jeder für sich absteckt. Bei Second-Hand-Schuhen oder -Matratzen kann man davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass man die verbleibende gesundheitlich unbedenkliche Nutzungszeit genauer prüfen muss als bei einem Hemd oder einem Rock. Wenn eine Matratze durchgelegen ist, dann schadet sie der Gesundheit. Würdest du dir Unterwäsche und Socken als Second Hand kaufen? Warum? Oder warum nicht?

Als Teil der persönlichen Freiheit ist es vollkommen okay, sich seine eigenen Standards zu setzen. Aber nicht jeder nutzt Standards, die er selbst nochmal durchdacht hat. Man könnte eventuell zum „Außenseiter“ werden. Es wäre falsch zu behaupten, dass derjenige sich ändern müsse, weil man selbst Second Hand bedenkenlos trägt! Viel wichtiger ist es zu erkennen, dass es nicht zwingend eine bewusste Entscheidung ist, weil sich eben nicht jeder über alles Gedanken macht oder machen will. Das vollkommen wertfrei zu sehen ist hilfreich, da man dann auf den anderen in einen ergebnisoffenen Dialog zugehen kann. Erst dann hat der andere eine Chance, sich vollkommen frei selbst zu entscheiden.

(C) Maky Orel 2019. CCO 1.0 Public Domain.

Der gefühlte SOLL-Zustand

In einer freiheitlich denkenden Gesellschaft ist der Dialog das wichtigste Mittel, um seine Ziele zu vermitteln. Zum Erhalt dieser Freiheit ist es wichtig, selbst mit Argumenten für seine Position zu werben anstatt zu behaupten, der andere sei mit seinem Fehlverhalten an etwas Schuld. Dieser Einstellung folgend beschreibe ich den Zustand wie er sein sollte:

„Upcycling und Second Hand sind absolut geil, weil…“

… Second Hand die Chance auf die Befreiung des Geistes bietet

Wenn man ins Ausland geht, dann sieht man, dass bei „denen“ andere Dinge „normal“ sind und „die“ leben auch noch – unverständlicherweise trotzdem ebenfalls gut und gerne. Verrückt!

Vor acht Jahren war ich in Japan und durfte Frauen in den teilweise schrägsten, aber hauptsächlich in den absolut unterschiedlichsten Outfits sehen. Selbst in Tokio zur Rush Hour konnte ich nur den einen Trend dieser schlafanzugähnlichen Jumpsuits mit Blumenmotiven, die seit ein bis zwei Jahren auch hierzulande so langsam in Mode kommen, erkennen. Aber selbst bei diesem „Trend“ ging es um maximal 1–4 Prozent der Frauen, die ich in 8 bis 10 Stunden Stadterkundung zu Fuß sehen konnte. Der Rest zeigte sich in den wildesten kreativen Outfits. Also alles voll die „Außenseiter“. Oder etwa nicht?

Im öffentlichen Rahmen hat sich keiner dort für meine Kleidung oder für die Frau mit den rosa Lackgummistiefeln, kurzen Jeans und einem luftigen weißen Sommeroberteil aus einem kreppähnlichen krauseligen Stoff interessiert. Es war egal. Im Westen hingegen werden Menschen öffentlich verhöhnt, weil sie sich außerhalb der Norm gekleidet unter anderem in eine amerikanische Supermarktkette begeben. Sowas anderen Menschen anzutun, scheint inzwischen „normal“ zu sein.

Kleider machen demnach ein Stück weit Leute. Also bietet Second Hand die große Chance, sich gedanklich wirklich individuell neu zu erschaffen und dem eigenen Modegeist die Freiheit wiederzugeben, die ihm aktuell genommen wird. Individualität sollte doch mehr sein als die massenhaft produzierte „individuelle“ Handyhülle in gefühlten maximal zehn Motiven oder das personalisierte Nummernschild mit den eigenen Initialen und dem Geburtsjahr. Aber dazu benötigt es auch den Mut zur wahren Individualität und den Mut, sich seines eigenen Geistes zu bedienen. Sapere aude!

… Upcycling die Wachstumschance für die eigene Seele ist

Mut und Selbstvertrauen fallen nicht vom Himmel. Man muss auch was dafür leisten und sich vergleichen. Ohne den Vergleich führt permanentes Lob nur zur Selbstüberschätzung. Und ohne die eigene Leistung wird aus Mut ruckzuck Übermut. Yeah, wir sind alle Gewinner, du bist auch ein Gewinner, er da drüben ist auch ein Gewinner! Yeah! Hier dein Wegwerf-Goody-Pack! Jubel!

Upcycling bietet eine Chance, dieser Selbstüberschätzungblase zu entkommen und gleichzeitig Müll sinnvoll umzufunktionieren. Wie das? Über kleine Erfolge. Aus einer alten Schrankwand sechs Bretter in der richtigen Länge zu sägen und als Videoschränkchen zusammenzunageln dauert nicht lange, kostet fast nichts, spart Geld für das entsprechende neue Schränkchen und gibt vor allem das gute Gefühl – das habe ICH ALLEINE hinbekommen! Es sieht zwar beim ersten Versuch mies aus, aber es ist egal! Es kann noch so ineffizient oder hässlich sein, denn nur dein persönlicher Gewinn daraus zählt!

Das ist dein erster kleiner Schritt, dein erster kleiner Erfolg, um Mut und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu bekommen. An der Stelle weißt du, dass du es hinbekommen kannst, und je nachdem wie das Endergebnis aussieht oder wie der Weg zu diesem Ergebnis war, kannst du auch abschätzen, was du lernen musst, um besser zu werden. „Ich glaube, der Beste in irgendwas zu sein“ ersetzt nicht den Beweis.

Und ich meine damit nicht den Beweis nach außen. Klar ist es toll, wenn andere dich für das Videoschränkchen loben, aber viel wichtiger ist der Beweis für dich selbst! Man selbst muss sich täglich im Spiegel ansehen, und nur man selbst kennt dann die wahren Antworten auf die Fragen, wie gut man irgendwas kann … und wie viel Aufwand man betreiben muss, wenn andere erkennen, dass man hier und da bei den eigenen Fähigkeiten „geflunkert“ hat. Über diese Selbsterkenntnis hilft dann auch kein Wegwerf-Goody-Pack mehr drüber hinweg!

Könntest Du Dir vorstellen, dass der eine oder andere sogar richtige Angst davor hat, beim Flunkern „enttarnt“ zu werden? Angst ist sicher häufig kein guter Ratgeber, aber wenn man weiß, dass der andere lediglich Angst hat, dann kann man im Dialog auf ihn zugehen oder man kann seine eigene Angst besiegen, indem man selbst kleine Upcycling-Projekte umsetzt. Ist gar nicht so schwer, spart Geld und macht auch noch Spaß!

(C) Maky Orel 2021. CCO 1.0 Public Domain.

… Upcycling die Chance bietet, Müll in etwas Sinnvolles zu wandeln

In ein Produkt werden Zeit für Entwicklung und Herstellung sowie Rohstoffe investiert. Wenn dieses Produkt dann kaputt ist, kann man es entweder wegwerfen oder umfunktionieren. Aus einer alten Schrankwand kann ein Videoschränkchen werden oder aus vielen Glasflaschenböden ein beeindruckendes Butzenglasfenster. Wer kurz darüber nachdenkt erkennt sicher auch, dass beim Upcycling Müll plötzlich nicht mehr existiert.

Aus Müll wird plötzlich ein „Upcyclingrohstoff“! Kostenlos und massenweise verfügbar.

… Upcycling die Chance bietet, Müll zu vermeiden

Was wäre, wenn es Müll nicht mehr in unseren Köpfen gäbe, sondern nur noch den „Upcycling-Rohstoff“. Würden dann noch massenweise Sofas, Schrankwände oder andere umfunktionierbare Dinge auf unseren Straßen für den Sperrmüll bereit liegen? Wenn es eine Konstante in unserer Gesellschaft gibt, die jeder kritisiert, dann ist das die Gier und die Angst vor dem Verlust von Geld. Das ist doch super!

Liebe Freunde der Nachhaltigkeitskultur: Nutzt das doch aus! Verbreitet das Wort „Upcycling-Rohstoff“. Hört auf, GEGEN Müll zu kämpfen, sondern tretet ein FÜR den Kampf um wertvolle Upcycling-Rohstoffe. Macht doch bitte die zu „Außenseitern“, die massenweise Dinge wegwerfen, weil sie gerade nicht mehr zur Mode passen oder nicht mehr gefallen. Und feiert mit dem gesparten Geld einen weiteren Urlaub im Jahr oder kauft euch eine unserer Bio-Wollbettdecken, aber hört auf, GEGEN etwas zu kämpfen, sondern tretet ein FÜR etwas was eurer Meinung nach besser ist.

Wenn sich der Begriff „Upcycling-Rohstoff“ durchsetzt, dann wird automatisch Müll vermieden. Das kommt dann von ganz alleine.

… Upcycling die Chance bietet, selbst kreativ zu werden

Wer einmal das erste Möbelstück restauriert, die erste Tasche aus Stoffresten genäht oder die erste Lampe aus einer alten Trommel gebaut hat, kennt das Gefühl. Man hat etwas erschaffen. Mit eigenen Händen. Man sieht das Ergebnis. Und man nutzt es täglich. Dieses Gefühl ist ansteckend. Es macht nicht nur zufrieden, sondern auch stolz. Wer das einmal erlebt hat, wird garantiert nicht mehr so leichtfertig Dinge entsorgen.

Upcycling ist nicht nur ein Trend, sondern ein Lebensstil – nachhaltig, kreativ und selbstbestimmt. Probieren Sie es aus!

Wenn Sie mehr erfahren möchten, wann Upcycling sinnvoll ist, schauen Sie bei der Verbraucherzentrale vorbei.

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